Franchisepartner werden

Das Vertriebssystem Franchising wird nicht selten auch Franchisepartnerschaft genannt. Diese Bezeichnung verdeutlicht den partnerschaftlichen Ansatz, der charakteristisch für jedes Franchisesystem ist. Denn das Franchising hat einen großen Vorteil im Gegensatz zu anderen Geschäftsmodellen: Franchisesysteme basieren auf einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Franchisegeber und seinen Franchisenehmern. Beide Parteien profitieren gegenseitig von der gebündelten Erfahrung und dem gesammelten Wissen, die von allen Partnern zusammengetragen werden – einer der Vorteile, die die selbstständige Gründung eines Unternehmens nicht bieten kann. Während der Franchisenehmer eine bereits etablierte und erfolgreiche Geschäftsidee übernehmen darf und so nur ein vermindertes Risiko eingeht, kann der Franchisegeber mit seiner Unternehmung schnell und flächendeckend am Markt expandieren und die dazugehörige Marke bekannter machen. Dabei bleiben alle Partner eines Franchisesystems rechtlich selbstständig.

Wichtig für ein solches System, das als Partnerschaft funktionieren soll, ist beidseitiges Vertrauen. Dabei arbeiten die Franchisepartner auf Augenhöhe zusammen und teilen Erfahrungen, Fähigkeiten und Know-how miteinander. So kommt das Wissen aller Partner dem gesamten Franchisesystem zugute und trägt zum gemeinsamen Erfolg bei. Ein belastbares Vertrauensverhältnis und ein reger Austausch innerhalb des Systems sind besonders dann notwendig, wenn Probleme auftreten. So kann bereits eine systeminterne Beratung bei Konflikten zu schnellen und fundierten Lösungen führen. Damit einher geht jedoch der Nachteil, dass die Marke und das gesamte Unternehmen – einschließlich aller Franchisenehmer – bei einer größeren Krise erheblichen Schaden nehmen können, da das Franchisesystem nur als eine zusammenhängende Einheit funktioniert.

Die optimale Franchisepartnerschaft für Gründer

Um eine optimale Franchisepartnerschaft aufzubauen, muss der Franchisegeber die passenden Partner für sein Unternehmen finden. Das wichtigste Medium für potenzielle Franchisenehmer, die eine Existenzgründung planen, ist das Internet. Hier suchen sie nach Angeboten und Informationen zu bestehenden Franchisesystemen. Heute haben die Interessenten bereits eine Auswahl von rund 1.000 Franchisesystemen allein in Deutschland. Dabei gibt es Franchisepartnerschaften in den verschiedensten Branchen. Die bekanntesten und größten Systeme stammen aus der Gastronomie und dem Einzelhandel, aber auch immer mehr Dienstleistungen – wie Autovermietung oder Gebäudereinigung – werden von Franchisesystemen angeboten. Eine Anlaufstelle für Gründer, die nach Franchisesystemen suchen, ist beispielsweise die Internetseite des Deutschen Franchiseverbandes. Über den Systemfinder erhalten zukünftige Franchisenehmer einen Überblick über vertrauenswürdige und zertifizierte Franchisesysteme aus allen Branchen sowie deren Bedingungen, Gebühren und das notwendige Eigenkapital.

Darüber hinaus können Franchisegeber auch ihre eigene Unternehmenswebsite nutzen, um neue Partner auf sich aufmerksam zu machen. Hier können alle notwendigen Informationen zum System bereitgestellt und ein Kontaktformular eingerichtet werden. Oft beauftragen Franchisegeber zusätzlich Rekrutierungsagenturen, die geeignete Franchisenehmer suchen und informieren. Grundlage für die Rekrutierung bildet meist ein Anforderungsprofil, das der Franchisegeber zuvor für die Auswahl der potenziellen Franchisepartner erstellt hat. Bei der Suche nach passenden Partnern für das Unternehmen können sich Franchisegeber an der 100:10:1-Faustregel aus der Franchisewirtschaft orientieren. Demnach führen 100 Erstkontakte mit Interessenten – Leads genannt – zu 10 persönlichen Gesprächen, aus denen letztendlich ein einziger Vertragsabschluss resultiert. Diese Faustregel, die auf den bisherigen Erfahrungen zahlreicher Franchisegeber beruht, zeigt sehr deutlich, dass die Suche nach neuen Franchisenehmern zeitaufwendig und zudem personal- und kostenintensiv ist.

Anforderungsprofil für neue Franchisepartner

Hat sich der Interessent schließlich für eine bestimmte Franchisepartnerschaft entschieden, nimmt er Kontakt mit der entsprechenden Systemzentrale auf, um seine Bewerbung einzureichen. Dann durchläuft der Bewerber einen in der Regel mehrstufigen Prozess: Zunächst gleicht die Systemzentrale die eingegangene Bewerbung mit dem Anforderungsprofil des Franchisegebers ab. Dabei werden Kriterien wie Alter, Ausbildung, bisherige Berufserfahrung und mögliche Finanzierung sowie die sogenannten Soft Skills wie Kompromissbereitschaft, Management- und Führungskompetenzen, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit berücksichtigt und verglichen. Sind die wichtigsten Voraussetzungen für das Gründen einer längerfristigen Franchisepartnerschaft erfüllt, erhält der Bewerber eine ausführliche Beschreibung des Geschäftskonzeptes in schriftlicher Form. Gleichzeitig finden persönliche Gespräche – meist in der Systemzentrale – statt, damit der potenzielle Franchisenehmer einen ersten Eindruck vom unternehmerischen Umfeld bekommt.

Viele Franchisegeber ermöglichen ihren Bewerbern vor Vertragsabschluss im Unternehmen zu hospitieren, um sich ein besseres Bild von der Arbeitsweise des Franchisesystems und den zukünftigen Tätigkeiten machen zu können. Nach Aufklärung über alle Bedingungen, Verpflichtungen und Rechte der Franchisepartner, wird der Franchisevertrag besprochen. Der Vertrag regelt neben den Gebühren und Investitionen des Franchisenehmers auch Vorgaben zu Marketing, Management und Umgang mit Kunden, um einen einheitlichen Markenauftritt in der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Im Gegenzug erhält der Franchisenehmer die Nutzungslizenz für Marken und Produkte sowie das Franchise-Handbuch mit hilfreichen Hinweisen und gesammeltem Know-how. Ist der Franchisevertrag von Franchisegeber und -nehmer dann unterzeichnet, wurde die Franchisepartnerschaft erfolgreich gegründet.