Wettbewerbsnachteil durch hohe Gewerbestromkosten? Da lässt sich was machen!

Ob Handel, Handwerksbetrieb, Gastronomie, Dienstleister, Praxis oder kleines Unternehmen: Die meisten Gewerbekunden beziehen ihren Strom auf die gleiche Weise wie Privathaushalte – über einen konventionellen Stromzähler und monatliche Abschläge. Laut aktueller Zahlen der Bundesnetzagentur kostet die Kilowattstunde Gewerbestrom in Deutschland rund 23 Cent – ein Plus von 3,65 Prozent im Vergleich zu 2020. Dabei fällt der Gewerbestrompreis regional sehr unterschiedlich aus. Wir haben dazu jemanden für unseren Blog befragt, der sich so richtig gut mit diesem Thema auskennt, nämlich Daniel Engelbarts, den Mitgründer des Tarifwechselservice-Portals remind.me.

Herr Engelbarts, ob Haushalts- oder Gewerbestrom, der Strom selbst ist doch immer der gleiche, stimmt das?

Daniel Engelbarts: Ja, natürlich. Aber der Gewerbe- und Industriestrompreis ist in der Regel günstiger als der für Privatkunden. Erhebliche Unterschiede gibt es bei den Konditionen, der Zusammensetzung der Endpreise sowie der Abrechnung. Bei Strom für Gewerbekunden gelten Sonderregelungen bei Netzentgelten, Umlagen und Steuern. Dadurch sinkt der Anteil der Steuern und Umlagen oft auf nur 15 bis 30 Prozent – statt fast 50 Prozent bei Privathaushalten.

Warum driften die die durchschnittlichen Gewerbestrompreise oftmals so auseinander bzw. sind so ungenau?

Daniel Engelbarts: Die Netzentgelte werden von den regional zuständigen Netzbetreibern erhoben und variieren je nach Postleitzahl deutlich. Es gibt also faktisch keinen bundesweit einheitlichen Strompreis. Das ist übrigens nicht nur beim Gewerbestrom so, sondern auch bei Privathaushalten.

Stimmt die Aussage Je mehr Strom bezogen wird, desto günstiger ist der Tarif?

Daniel Engelbarts: Ja, genauso ist es. Denn die Vertragslaufzeiten und auch Faktoren der Erzeugung des Stromes (z. B. Ökostrom) spielen beim Preis ebenfalls eine wichtige Rolle. Für mittlere Gewerbebetriebe liegt der Preis pro Kilowattstunde laut Bundesnetzagentur im Schnitt bei 16,54 Cent. Diese Betriebe profitieren vor allem von deutlich geringeren Umlagen, Steuern und Netzentgelten. Wer aber besonders viel Strom verbraucht – sogenannte stromintensivere Industriebetriebe – zahlt hingegen nur 4,7 ct/kWh und somit knapp 12 Cent weniger als mittlere Gewerbebetriebe.

In den Medien liest man, dass die Strompreise im Gewerbesegment seit 2014 um gut 25 Prozent gesunken sind, während die Strompreise für Haushalte im gleichen Zeitraum um 40 Prozent stiegen. Woran liegt das und was können Verbraucher dagegen tun?

Daniel Engelbarts: Ein regelmäßiger Anbietervergleich hilft, bares Geld zu sparen. Das gilt bei Gewerbekunden und Industriekunden dabei noch einmal mehr als bei Privatkunden. Denn schon Einsparungen von wenigen Cent pro Kilowattstunde Strom können bei Gewerbeunternehmen mit hohem Verbrauch erhebliche Auswirkungen haben und den Gewerbe- und Industriestrompreis drastisch senken.

Ich verdeutliche das einmal an einem Beispiel: Bei einem Jahresverbrauch von 50.000 kWh kann ein Gewerbe jährlich mehrere Tausend Euro sparen. Gewerbekunden, die beispielsweise zu E.ON Strom Pro Fix wechseln, zahlen 11.230,47 Euro und sparen bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten rund 2895,23 Euro (der monatliche Abschlag beträgt 935,87 Euro). Bei einem Wechsel zu Vattenfall (Tarif: Profi 12 Strom) ist eine Ersparnis von 2241,78 Euro möglich (monatlicher Abschlag: 980,11 Euro).

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, wie sollen sie jetzt reagieren?

Daniel Engelbarts: Für deutsche Unternehmen sind die aktuell hohen Strompreise ein echter Wettbewerbsnachteil im internationalen Geschäft. Insofern sollte jedem Unternehmer klar sein, dass er handeln muss – ganz besonders, wenn Stromlieferverträge in 2022 auslaufen. Ich höre immer wieder, dass Unternehmer vor einem Wechsel ihres Anbieters zurückschrecken, weil sie bei einem Anbieterwechsel Versorgungsausfälle befürchten. Das kann aber nicht passieren. Der Übergang vom alten Stromlieferanten zum neuen verläuft lückenlos und macht sich ausschließlich auf der Monatsabrechnung bemerkbar.

Kann Gewerbestrom eigentlich jederzeit gekündigt werden oder gibt es besondere Fristen zu beachten?

Daniel Engelbarts: Gewerbekunden, die ihren Strom vom Grundversorger beziehen, haben (genau wie Privathaushalte übrigens!) eine zweiwöchige Kündigungsfrist. Die Grundversorgung kann also praktisch jederzeit kurzfristig gekündigt werden. Unternehmer, die für ihren Laden, Praxis oder Studio ihren Strom von alternativen Versorgern beziehen, haben in der Regel längere Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten.

Haben Sie vielen Dank, Herr Engelbarts. Weitere Infos zum Tarifwechselservice sowie zu remind.me gibt es übrigens in unserem Servicefinder und unter www.remind.me

Übrigens: Stiftung Warentest urteilt über remind.me: “Empfehlenswert!

*bezogen auf einen Verbrauch von 50.000 kWh/Jahr

Kommentare

Kommentar verfassen

(erforderlich)

(erforderlich)