Mit Hendrik Martschinke hat der Deutsche Franchiseverband einen neuen Präsidenten – einen, der fest in der Praxis verwurzelt ist. Als Geschäftsführer des Franchisesystems Raiffeisen-Markt – Wir leben Nähe! bringt er nicht nur fundierte Kenntnisse aus dem genossenschaftlichen Einzelhandel mit, sondern auch klare Vorstellungen davon, wie der Franchiseverband künftig agieren sollte. Im Interview spricht er über seine Motivation, seine Schwerpunkte und seine Vision für die Franchisewirtschaft in Deutschland.
Hendrik, Du bringst als neuer Präsident Erfahrungen aus der Welt der Raiffeisen-Märkte mit. Wie hat Dich Dein bisheriger beruflicher Weg geprägt – und was hat Dich dazu bewogen, jetzt Verantwortung im Verband zu übernehmen?
Ich bin seit neun Jahren Teil des AGRAVIS-Konzerns und seit zwei Jahren Geschäftsführer des Franchisesystems Raiffeisen-Markt – Wir leben Nähe!. Unser System steht seit über 30 Jahren für den ländlichen Einzelhandel mit einem klaren Fokus auf Freizeit und Natur. Mit über 500 Standorten bilden wir ein starkes Netzwerk – entstanden aus der Genossenschaftswelt.
Diese Herkunft prägt mein Verständnis von Zusammenarbeit und Verantwortung. Die Werte des Genossenschaftswesens – Verbund, Vertrauen, Verlässlichkeit und Sicherheit – sind für mich nicht nur Leitlinien, sondern gelebte Realität. Sie setzen Energien frei, die wir dringend brauchen, um die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.
Ich habe im Deutschen Franchiseverband eine starke Gemeinschaft erlebt, ein engagiertes Team und inspirierende Mitglieder. Gerade weil viele Herausforderungen heute nicht mehr isoliert lösbar sind, braucht es einen starken Franchiseverband. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, indem ich meine Perspektive einbringe, positive Impulse setze und konkrete Mehrwerte für die Systeme schaffe – egal ob groß oder klein.
Mit Deinem Amtsantritt beginnt eine neue Phase im Verband. Welche Themen möchtest Du in den kommenden Jahren besonders voranbringen?
Der Deutschen Franchiseverband muss mehr denn je Unterstützer und Rahmengeber für seine Mitglieder sein – gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen, ja und auch deutlich spürbarer Herausforderungen in den Systemen. Die Plattform für Knowhow- und Erfahrungsaustausch ist eine starke Basis, auf der wir aufbauen. Aber jetzt geht es auch darum, das nächste Level zu erreichen.
Wir müssen enger zusammenrücken und Allianzen mit anderen Wirtschaftsverbänden bilden, um unsere Schlagkraft zu erhöhen – etwa in der politischen Interessenvertretung oder bei der Frage der Finanzierung. Auch die Weiterentwicklung inhaltlicher Themen rund ums Franchising steht für mich weit oben.
Mein Netzwerk kann dabei helfen, Türen zu öffnen – sei es über andere Verbände oder über meinen Konzernhintergrund in einem der größten Agrarkonzerne Europas. All das bringt wertvolle Verbindungen auf nationaler wie europäischer Ebene und kann dem Franchiseverband wie den Mitgliedern echten Nutzen bringen.
Die politische Interessenvertretung ist ein zentrales Aufgabenfeld des Franchiseverbandes. Welche Rolle sollte er Deiner Meinung nach künftig national wie international einnehmen?
Bevor wir auf die Politik zugehen, sollten wir unseren Blick weiten. Denn viele unserer Herausforderungen sind symptomatisch für die gesamte Wirtschaft – nicht nur für das Franchising. Unsere Mitglieder stehen oft vor ähnlichen Problemen wie andere Branchenakteure. Daraus folgt für mich: Wir müssen im Schulterschluss mit anderen Wirtschaftsverbänden zusammenarbeiten und gemeinsame Positionen erarbeiten. Was mit einigen Branchenvertretungen schon intensiv passiert, heißt es weiter auszuweiten. Die Franchisewirtschaft hat hier viel beizutragen und einzubringen – und kann gleichzeitig enorm von solchen Allianzen profitieren.
Diese Zusammenarbeit ist in der Verbandsarbeit essenziell. Wie möchtest Du die Kooperation mit anderen Interessenvertretungen und Kammern stärken – und welche Chancen siehst Du in dieser Vernetzung?
Die Potenziale in diesem Bereich sind riesig. Es geht darum, unsere Positionen zu schärfen und gezielt in den Austausch mit anderen Verbänden zu bringen. Wo wir inhaltliche Schnittmengen finden, können wir gemeinsam viel mehr erreichen – insbesondere in der politischen Arbeit.
Wenn wir mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, wächst unsere Schlagkraft. Ich sehe das als große Chance für uns, uns noch wirksamer für unsere Mitglieder zu engagieren.
Was hat der Verband aus Deiner Sicht bisher gut gemacht – und wo möchtest Du gemeinsam mit dem neuen Vorstand und der Geschäftsstelle neue Impulse setzen?
Der Franchiseverband hat mit Haupt- und Ehrenamt in den letzten Jahren eine sehr solide Basis geschaffen – besonders im Bereich Erfahrungsaustausch und Knowhow-Transfer. Das ist für viele Mitglieder ein echtes Pfund. Auch die Positionierung als Qualitätsgemeinschaft mit klaren Regeln gibt Orientierung und stärkt das Vertrauen in die Franchisewirtschaft.
Die wachsende Größe des Verbandes und das zukunftsfähige Wachstum des Teams in der Geschäftsstelle sprechen für sich. Hier wurden kluge Entscheidungen getroffen – dafür möchte ich dem bisherigen Vorstand, der Geschäftsführung und dem gesamten Team ausdrücklich danken.
Jetzt gilt es, auf dieser Basis aufzubauen und neue Impulse zu setzen. Es geht um Sichtbarkeit, um Kooperationen und um innovative Wege der Finanzierung – für das Wachstum unserer Systeme.
Zum Schluss: Was möchtest Du den Mitgliedern des Deutschen Franchiseverbandes und der Öffentlichkeit über Deine Vision für die Franchisewirtschaft mitgeben?
Ich sehe in der Franchisewirtschaft ein enormes Potenzial – für die nächsten fünf bis zehn Jahre und weit darüber hinaus. Sie ist nicht nur ein Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft, sondern auch ein zukunftsfähiges Modell für unternehmerische Selbstständigkeit und ein wichtiger Innovationstreiber im Mittelstand. Als Lösungsgeber für viele Herausforderungen unserer Zeit verdient Franchising mehr Sichtbarkeit, Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung.
Doch um dieses Potenzial zu entfalten, müssen wir die aktuellen Probleme nicht nur erkennen, sondern aktiv und strukturiert angehen. Wenn es uns gelingt, den Franchiseverband neu auszurichten, zentrale Themen entschlossen weiterzuentwickeln und gemeinsam mit unseren Mitgliedern kraftvoll zu kommunizieren, schaffen wir die Grundlage für mehr Wirksamkeit und neue Perspektiven. Die solide Basis der vergangenen Jahrzehnte trägt uns dabei. Jetzt ist es Zeit, mit Mut und Dynamik die nächsten Schritte zu gehen. Dafür werde ich mich intensiv einsetzen.
Lieber Hendrik, ich danke Dir und freue mich, auf das, was Ihr als neuer Vorstand bewegen werdet!
