Digitale Präsenz ist für Franchisesysteme längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein zentraler Hebel für Wachstum, Markenführung und die erfolgreiche Gewinnung neuer Franchisepartner. Doch genau dort geraten viele Systeme an Grenzen: uneinheitliche Google-Profile, fragmentierte Daten, inkonsequente Bewertungsprozesse und eine Customer Journey, die über zahlreiche digitale Berührungspunkte hinweg orchestriert werden muss.
Wintec Autoglas, Deutschlands größtes Autoglas-Franchisesystem und Vollmitglied im Deutschen Franchiseverband, stand vor genau dieser Herausforderung. Gemeinsam mit WinLocal, einer der führenden Spezialisten für digitales Franchisemarketing und Fördermitglied im Deutschen Franchiseverband, wurde ein Ansatz entwickelt, der heute als Beispiel für strukturierte digitale Markenführung gelten kann. Im Interview erläutern Michael Becker und Carsten Schmidt, wie dieser Weg begann, warum Datenkonsistenz zum Fundament wurde und weshalb gerade strukturierte Informationen und kontinuierliche Bewertungen in einer zunehmend KI-geprägten Welt strategisch an Bedeutung gewinnen.
Franchiseverband: Herr Becker, wie sah die Situation bei Wintec aus, bevor Sie die Zusammenarbeit mit WinLocal begonnen haben?
Michael Becker (Wintec): Als ich 2014 zu Wintec kam, waren wir digital auf einem Niveau, das für ein einzelnes Unternehmen in Ordnung gewesen wäre – aber nicht für ein bundesweit expandierendes Franchisesystem. Wir betrieben Online-Marketing, aber ohne zentrale Steuerung und ohne die notwendige Einheitlichkeit. Mit jedem neuen Standort wurde klarer, dass wir eine Struktur benötigen, die nicht nur skaliert, sondern für alle Partner praktikabel und verständlich ist. Unsere Franchisenehmer sind handwerkliche Profis. Sie brauchen eine Zentrale, die das digitale Fundament legt. Und genau dort mussten wir ansetzen.
Franchiseverband: Herr Schmidt, welche zentralen Schritte waren aus Ihrer Sicht notwendig?
Carsten Schmidt (WinLocal): Der Kern jeder digitalen Sichtbarkeit ist Verlässlichkeit. Systeme wie Google, Maps oder Branchenportale – und zunehmend auch KI-basierte Antwortmodelle – bevorzugen Quellen, deren Informationen vollständig, aktuell und strukturiert vorliegen. Daher bestand der erste Schritt darin, sämtliche Standortdaten zu standardisieren und über Schnittstellen automatisiert auszuspielen. Parallel dazu haben wir die Google-Unternehmensprofile auf ein einheitliches Niveau gebracht und ein Reputationsmanagement etabliert, das kontinuierliche, authentische Kundenmeinungen erzeugt. Was viele unterschätzen: Bewertungen und gepflegte Profile sind nicht nur für die lokale Suche relevant. Sie erzeugen „Informationssignale“, die künftig auch die Sichtbarkeit in KI-Kontexten beeinflussen werden. Insofern ist Wintec – allein durch die stringente Daten- und Bewertungsstruktur – heute bestens auf den Wandel vorbereitet.
Franchiseverband: Welche Bedeutung haben Bewertungen für Wintec?
Michael Becker: Anfangs hatten viele Partner Sorge, überhaupt aktiv Bewertungen einzuholen. Heute sind sie eines der strategisch wichtigsten Elemente unserer digitalen Präsenz. Mit über 33.000 Kundenbewertungen verfügen wir über einen Vertrauensfaktor, der sich unmittelbar in Sichtbarkeit und Anfragen übersetzt. Der große Fortschritt lag jedoch nicht nur in der Anzahl der Bewertungen, sondern in der Etablierung eines Prozesses: Unsere Partner wissen heute, dass jede Bewertung ein echter Berührungspunkt ist, der Vertrauen schafft. Und durch die Kombination aus Google und kennstdueinen.de entsteht ein Content-Fundament, das für unsere gesamte Marke von hohem Wert ist.
Franchiseverband: Herr Schmidt, Sie haben im Webinar die Vielzahl digitaler Berührungspunkte erläutert. Wie wirkt sich das auf Franchisesysteme aus?
Carsten Schmidt: Kunden bewegen sich heute nicht linear durch einen Marketing-Funnel. Sie sehen eine Anzeige, lesen Bewertungen, interagieren mit dem Google-Profil, besuchen die Website, informieren sich auf einem Portal – und entscheiden sich oft erst nach mehreren dieser Impulse. Für Franchisesysteme bedeutet das, dass jeder einzelne dieser Kontaktpunkte professionell gepflegt sein muss. Ein schwaches oder widersprüchliches Signal reicht aus, um den gesamten Entscheidungsprozess zu unterbrechen. Deshalb haben wir gemeinsam mit Wintec die vollständige Customer Journey analysiert und eine Struktur geschaffen, die überall konsistente, aktuelle Informationen sicherstellt. Das ist die Grundlage für Sichtbarkeit – und künftig auch eine Voraussetzung dafür, in KI-basierten Ergebnissen aufzutauchen.
Franchiseverband: Wie hat sich die Beziehung zu Ihren Franchisenehmern durch diese Struktur verändert?
Michael Becker: Der größte Hebel war die Transparenz. Unsere Partner sehen heute klar, wie viele Anfragen sie erhalten, welche Maßnahmen funktionieren und wie sich ihr Marketingbudget auszahlt. Das hat Vertrauen geschaffen – nicht durch Überzeugungsarbeit, sondern durch nachvollziehbare Ergebnisse. Viele Partner sagen heute: „Sagt uns, was sinnvoll ist – wir folgen euren Empfehlungen.“ Das war vor einigen Jahren undenkbar. Messbarkeit hat das System professionalisiert.
Franchiseverband: Was können andere Franchisesysteme aus Ihrer Zusammenarbeit lernen?
Carsten Schmidt: Die wichtigste Erkenntnis ist, nicht beim Kampagnenmanagement anzusetzen, sondern bei der Struktur. Erst wenn die Daten konsistent sind, die Profile gepflegt sind und Bewertungen regelmäßig generiert werden, entsteht eine Grundlage, auf der Werbung und weitere digitale Maßnahmen wirklich wirken. Wintec ist deshalb so erfolgreich, weil das System bereit war, Entscheidungen datenbasiert zu treffen und Prozesse konsequent zu vereinheitlichen. Ohne diese strukturelle Basis wäre eine Skalierung auf diesem Niveau nicht möglich gewesen.
Michael Becker: Die Entwicklung der letzten Jahre macht uns stolz. Unsere Standorte sind sichtbar, sie gewinnen planbar qualifizierte Kontakte und sie haben das Vertrauen, dass die Maßnahmen funktionieren. Mit Blick auf 2026 und darüber hinaus – Stichwort KI, verändertes Suchverhalten und neue Plattformen – fühlen wir uns gut vorbereit, weil wir die digitalen Grundlagen konsequent gepflegt haben. Und genau diese Basis entscheidet künftig darüber, welche Marken in Such- und KI-Systemen präsent sind – und welche nicht.
Franchiseverband: Vielen Dank Ihnen Beiden für das Gespräch!
